#gbc18 -Was wir noch zu sagen hätten

Das nächste GENObarcamp findet vom 16 bis 17 Dezember 2019 bei der ADG auf Schloss Montabaur statt. Es ist die 19. Ausgabe. Wir kommen langsam in die Jahre. Natürlich war das 18. GENObarcamp ein tolles Event, welches von der Union Investment veranstaltet und vom Orga Team herausragend organisiert wurde.

Wie immer hatten wir viel Spaß und viele spannende und inspirierende Vorträge und Gespräche, die sich nicht nur um das neue BVR Werbevideo „Let´s get digital“drehten. Immerhin ist das GENObarcamp bereits seit seiner ersten Ausgabe „Digital“

The google way?

Ob Digital besser ist – so wie es Tocotronic einmal ironisch besungen haben – können wir heute noch weniger sagen, als vor 10 oder 20 Jahren. Wenn es nach „google“ ginge, die auf diesem Barcamp die Abschluss Keynote halten durften, dann macht digital alles besser und vor allem dann, wenn wir der Philosophie von google folgen und nicht darüber nachdenken, ob es auch andere Wege geben könnte. Ob es jedoch sinnvoll ist, einem Unternehmen zu folgen, das kaum noch Steuern bezahlt und dessen Innovationen letztendlich dazu führen könnten, dass immer mehr Menschen keine oder nur noch schlecht bezahlte Arbeit haben, davon konnten uns die google Speaker nicht übzerzeugen.

Eine Welt ohne Arbeit muss gar nicht schlecht sein. Aber dann sollten in dieser Welt nicht einige wenige fast alles haben, sondern alle müssten genug haben, um glücklich zu leben. Was bei bald 8. Milliarden Menschen eine gewaltige Herausforderung ist, deren Bewältigung wir nicht google und auch nicht den anderen Big Tech Giganten oder den Technologie Startups  überlassen sollten.

Nachahmung hat keine Zukunft

Gerade den Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe, die sich auch heute noch als Teil der genossenschaftlichen Bewegung sehen, sollte es nicht egal sein wie die Zukunft aussieht. Sie sollten sich darüber bewusst sein, dass es nicht sinnvoll und zukunftsfähig sein kann, anderen Unternehmen und deren Ideen zu folgen. Stattdessen sollten Sie nach neuen Wegen suchen. Nachahmung hat keine Zukunft mehr.

Deshalb hat die Startup Session – die zugegebenermaßen in diesem Jahr etwas lang geraten ist – auch versucht, ein wenig Politik in das Barcamp zu bringen.

Wer von Werten spricht, der muss diese nicht nur leben, sondern auch erkennen, dass er sich dadurch abgrenzt und damit positionieren muss. Man kann und sollte es nicht allen recht machen.

Der Weg den Rashid Owoyele mit seinem Startup „Society of Owners“ gehen möchte, Ela Kagel mit dem Supermarket und Rchain, der ersten Blockchain Genossenschaft, Zoltan Fazekas mit einer Blockchain basierten Governance Struktur für Genossenschaften oder auch Peter Harris mit seinem fairen Streaming Modell resonate.io; alles Ansätze und Ideen, die aufgezeigt haben, dass Unternehmertum alternative Modelle finden kann und  muss. Denn während google und Co. von Singularität sprechen, sieht es momentan – so schreibt Andrew Keen in seinem Buch „How to fix the future“ eher nach einer Dualität aus, in der es eine immer tiefere Kluft zwischen Menschen und intelligenten Maschinen und zwischen Technologie Konzernen und dem Rest der Menschheit geben wird.

Große Herausforderungen, große Chancen

Neben künstlicher Intelligenz und anderen, durch Technologie getriebenen ,Herausforderungen, werden uns in den nächsten Monaten aber auch Klimawandel, Artensterben, wirtschaftlicher Abschwung und zunehmender Nationalismus beschäftigen.

Die Welt und wir Menschen bewegen uns in turbulente Zeiten. Wir wissen nicht wie die Zukunft wird, wir können sie aber gestalten. Dann sind jedoch andere Fragen zu beantworten als:

  • Wie überzeuge ich die Mitarbeiter davon agil zu werden?

  • Wie können wir unsere Kunden besser erreichen?

  • Wie verkaufe ich Immobilien per Chat Bot?

Das alles ist nicht mehr als inkrementelle Innovation. Da in den größten Herausforderungen immer auch die größten Chancen liegen, brauchen wir aber radikale Innovationen und auch mehr Auseinandersetzung über Politik und Gesellschaft. In welcher Welt möchten wir leben?

Werte kommen von bewerten

Und kommen wir noch einmal zu den Werten. Was wir noch nicht so richtig verstanden haben. Werte kommen von bewerten. Es gibt keine übergeordneten Werte, die außerhalb von uns Menschen bestehen, weshalb man andere Menschen auch nicht davon überzeugen kann Werte zu haben oder zu nutzen, die er nicht fühlt.

Und im Umkehrschluss können Menschen , die Werte selber nicht fühlen, andere nicht davon zu überzeugen, diese zu fühlen. Schliesslich drücken sich Werte im Handeln aus und wenn andere Menschen im Handeln diese Werte nicht erkennen können, dann werden sie auch kein Vertrauen in die Werte und die handelnden Menschen haben. Werte lassen sich nicht outsourcen!

Genossenschaftliche Greta

Wer reflektiert ,wie langssam sich Wertewandelprozesse vollziehen, der sollte nicht auf die Proklamation von Werten, sondern auf verändertes Verhalten setzen. Brauchen wir also eine genossenschaftliche Greta?

Ich würde mir auf jeden Fall weniger nette, freundliche und zurückhaltende Teilnehmer wünschen, die 2 Tage darüber sprechen, wie Genossenschaftsbanken etwas innovativer werden können.

Ich würde mir auch weniger Teilnehmer wünschen, die jeder Management Mode, die gerade durchs genossenschaftliche Dorf getrieben wird – von Design Thinking bis agil – unreflektiert kopieren.

In erster Linie würde ich mir mehr Rebellen, Querdenker, Quälgeister, Clowns und Unternehmer wünschen. Womit wir uns dann auch mehr streiten würden.

Das 19. GENObarcamp braucht mehr Streit.

One Step Beyond

Es hat allerdings bereits eine offizielle Hymne, die ihr in der Spotify Liste GENObarcamp 2.0 findet. Damit haben wir eine weitere neue Tradition. Wir haben ein Logo, wir haben eine Fahne und ab sofort einen Song, der jedes Barcamp eröffnet und beendet. Er lautet One Step Beyond und ist von Madness. Danke an Chelsea London für die Inspiration.

 

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